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Gemeinde Litzendorf  |  E-Mail: gemeinde@litzendorf.de  |  Online: http://www.litzendorf.de/

Das Sängerehrenmal in Melkendorf

Sängerehrenmal bei Melkendorf

Kurz nachdem Franz Seuling im Jahre 1951 die Chorleitung der „Liedertafel" übernommen hatte, unterbreitete er den Sängern den Vorschlag, für die Gefallenen der Gemeinde ein Denkmal zu errichten. Darin sollte ein Buch aufbewahrt werden, in dem die Namen der Gefallenen verzeichnet sind. Die anfallenden Arbeiten sollten die Sänger unentgeltlich verrichten. Alle hielten den Plan für gut. Ungeklärt, blieb noch, wie das Denkmal aussehen und wo es stehen sollte.

So kam das Jahr 1952. An einem warmen Frühlingstag hielten der Chorleiter und ein Sangesbruder August Dorscht trauliche Zwiesprache auf dem „Hahn". Am Ende des Gespräches bot der Sänger dem Chorleiter sein Grundstück für den Bau eines Wochenendhauses an. Als dieser nachdenklich seinen Blick über das vor ihm liegende weite Bamberger Land schweifen ließ, kam in ihm der Gedanke auf, hier ein Ehrenmal zu errichten, das den gefallenen und verstorbenen Sängern Frankens gewidmet sein sollte.

In wochenlangem Nachdenken befaßte er sich mit der Verwirklichung dieses Planes und er brachte es auch fertig, seine Melkendorfer Sänger für seine Idee zu begeistern. Es sollte so erhalten werden, wie es für das Kriegerdenkmal gedacht war. Während nach seinen Angaben der Plan des Denkmals gefertigt wurde, begannen die Sänger schon mit den Vorarbeiten. Zunächst musste der von August Dorscht zur Verfügung gestellte Steinbruch abgeräumt werden. Mit diesen Arbeiten wurde am 15. November 1952 begonnen. Schon vier Wochen später konnte die erste Fuhre mit Steinen auf den "Hahn" gefahren werden. Der Steintransport dauerte bis zum 14. Februar 1953. Nachdem am 21. Februar der Zufahrtsweg hergerichtet worden war, konnten am 23. Februar die eigentlichen Arbeiten auf dem Ehrenmalplatz beginnen. Gleich am ersten Tag wurde der Grund für die Säulen ausgehoben.

Am 8. März fand in Anwesenheit des Ersten Bundesvorsitzenden die feierliche Grundsteinlegung statt. Seine Hammerschläge festigten in allen den Willen zum Durchhalten. Und es wuchsen die Säulen von Woche zu Woche. Als der Sommer ins Land kam, ging das Werk seiner Vollendung entgegen.

Auf einer Fläche von 20 mal 16 m stehen zwölf Säulen, die die zwölf Kreise des Fränkischen Sängerbundes versinnbildlichen. An den Außenseiten der Säulen, deren jede einen Durchmesser von 2 mal 1 m und eine Höhe von 4 m hat, sind die Namen der Sängerkreise angebracht. In der Mitte der in U-Form errichteten Säulen steht ein sarkophagähnliches Ehrenmal, der Altar, der einen Stahlschrank umschließt, in dem drei Kupferkassetten verwahrt, werden sollen.

Die Sänger und Sängerinnen der „Liedertafel", unterstützt von den Bürgern des Ortes und vielen Sangesfreunden in den Gemeinden im weiteren Umkreis, hatten eine einzigartige Arbeitsleistung vollbracht. In rund 6.000 freiwilligen, unbezahlten Arbeitsstunden wurden mitten im Winter an die 150 cbm Kalksteine gebrochen, unter gefahrvollen Mühen auf den Berg gefahren und hier von Hand behauen und verbaut. 294 Fuhren waren notwendig, um die Steine, 100 cbm Sand, 10 cbm Schotter, 180 Zentner Zement und Kalk und das zum Bau benötigte Wasser auf den Berg zu fahren.

Hochherzige Spender stellten das Gelände unentgeltlich zur Verfügung. Das Gitter am Altarstein, der eingebaute Stahlschrank und die beiden Eisenkreuze an den Mittelsäulen wurden von Bamberger Sängern gefertigt und gestiftet. Rund 7.000 DM wurden an Sach- und sachgebundenen Geldspenden aufgebracht und selbst die benötigte Stromleitung vom Ort zum Ehrenmal wurde umsonst gelegt.

In Anwesenheit des Bundesvorsitzenden, des Bundeschorleiters und fast aller Mitglieder der Bundesleitung und zahlreicher Ehrengäste, wurde am 26. Juli das Ehrenmal eingeweiht. Zwei große Fahnen mit den aufgestickten Symbolen des Fränkischen und des Deutschen Sängerbundes bedeckten den Altar. Franz Seuling enthüllte den Stein und legte auf ihn ein schweres Buch mit den Namen der gefallenen Sänger des Obermainkreises. Es soll später im Stahltresor unter der Altarplatte aufbewahrt werden: Daneben ist Platz für die weiteren Bücher der anderen Sängerkreise.

Nach einer kurzen Weihezeremonie zelebrierte Weihbischof D. Dr. A. Michael Landgraf den ersten feierlichen Gottesdienst für die toten Sänger. Während des Gottesdienstes sang der Liederkranz Bamberg die ,,Deutsche Messe" von Franz Schubert. Professor Franz Berthold dirigierte das von ihm komponierte „Sursum corda". Im Halbkreis wehten die Fahnen von rund 30 Gesangvereinen und an die 2.000 Besucher folgten mit tiefer Ergriffenheit der heiligen Handlung.

In der anschließenden Feierstunde erinnerte Franz Seuling die Umstehenden an ihre Pflicht, das Opfer der gefallenen Sangesbrüder durch das eigene Opfer zu ehren. Diese Steine sollten eine dauernde Mahnung sein. Alljährlich sollten am Tage des gestifteten Gedächtnisgottesdienstes auch die Namen der jeweils im vergangenen Jahre verstorbenen Sänger hier aufgezeichnet werden.

Anton Bruckners Chor „Trösterin Musik" leitete über zur Weiherede des Bundesvorsitzenden. Er übernahm das Ehrenmal in die treue Obhut des Fränkischen Sängerbundes mit der Versicherung: „Ich werde alles tun, dass dieses Ehrenmal zu einem Wallfahrtsort für jeden Sänger wird."

In einem Massenchor sangen die anwesenden Sänger zum Abschluß das Niederländische Dankgebet.

Auf dem Sängertag in Schweinfurt am 16. Mai 1954 wurde das Ehrenmal offiziell vom Fränkischen Sängerbund übernommen. Der Gesangverein ,,Liedertafel" Melkendorf verpflichtete sich, alljährlich einen feierlichen Gedächtnisgottesdienst an dem Altar im Ehrenmal halten zu lassen.

Niemand gab den Melkendorfer Sängern den Auftrag zu diesem Ehrenmal. Sie haben es selbst gewollt, selbst gebaut und selbst finanziert und dem Fränkischen Sängerbund als Geschenk übergeben. Es sollte ein Opfer sein, das des Opfers der Gefallenen würdig ist.

Mögen alle, die das Ehrenmal besuchen, den Sinn und den Wert dieses Opfers begreifen und ihre Seelen öffnen für die zwei Worte, die vom Altargitter aus das Ehrenmal beherrschen:

 

MORTUI VIVIMUS - Wir Toten leben

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